Lootboxen in Videospielen: Glücksspiel für Minderjährige?

Lootboxen als Glückspiel?

Die digitalen Schatztruhen sind ein aufgekommener Trend in der Gaming-Szene. Die Verwendung von Lootboxen findet sich heutzutage bei immer mehr Videospielen, wodurch die Glücksspiel-Debatte aufgeworfen wurde. Doch handelt es sich bei Lootboxen überhaupt um Glücksspiel? Werden Sie demnächst reguliert oder direkt verboten? Der einfache und freie Zugang zu Lootbox-Systemen von Kindern und Jugendlichen ist ein häufiger Kritikpunkt. Worum es sich bei Lootboxen genau handelt, warum diese Systeme fragwürdig sein können und wie die zukünftige Entwicklung aussieht, klären wir in diesem Artikel.

Was ist eine Lootbox?

Bei Lootboxen handelt es sich um digitale Schatzkisten in Videospielen. Diese erhalten Spieler, wenn Sie etwas Bestimmtes im Spiel erreichen oder auch zufällig nach einem abgeschlossenen Match oder einer Spielrunde. Diese Kisten lassen sich dann üblicherweise mit einem digitalen Schlüssel öffnen. Dieser Schlüssel wird mit echtem Geld gekauft oder mit einer Spielwährung – die allerdings auch durch wahre Euros erworben wird. Je nach Spiel wird auch direkt die Lootbox vom Spielehersteller oder Publisher verkauft.

Egal auf welche Weise die Lootbox geöffnet wird:  Der Spieler erhält je nach Spiel ein bestimmtes Kostüm, eine Waffe oder andere Gegenstände und Fähigkeiten. Von einem alternativen Aussehen der Spielfigur selbst oder einer farbigen Version des Sturmgewehrs ist alles dabei. Clou dabei: Welche Belohnung in der Box steckt, wird per Zufallsverfahren ausgewählt. Häufig wird der Öffnungsvorgang dabei mit einer Animation wie beim Glückspielautomaten untermalt.

Glücksspiel oder nicht?

Frankreich, Belgien und die Niederlande prüfen bereits, ob es sich bei solchen Mechanismen um Glücksspiel handelt. Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) ordnet die Lootboxen bisher noch nicht als Glücksspiel ein. Nach der USK gleicht die Lootbox einem Überraschungs-Ei. Der Inhalt ist vorher nicht bekannt. Auch vergleichbar mit dem Sammeln von Panini-Bildern oder anderen Sammelkarten.

Trotzdem ist die Debatte noch nicht abgeschlossen. Vor allem wenn nicht volljährige Personen Zugriff haben – so dürfen bei Online-Sportwetten, wie etwa zur Fußball-WM, auch nur volljährige Personen mittippen  – ist die Praxis fragwürdig. So haben die Spielehersteller in den letzten Jahren große Einnahmen mit diesen Praktiken erzielt. Tis. Ein weiterer Diskussionspunkt ist es, wenn die enthaltene Beute gegen echtes Geld weiterverkauft oder gehandelt werden kann. So wurde so manch digitaler Gegenstand bereits für vierstellige Beträge verkauft. Das dürfte bei der Ü-Ei-Figur schon schwieriger werden.

Entwicklung der Lootbox

Früher wurden Ingame-Käufe und Transaktionen bei kostenlosen Spielen (Free-to-Play) genutzt, um das Spiel zu finanzieren. So wusste der Kunde genau, was er für sein Geld erhält und konnte den Entwickler unterstützen und hatte davon auch etwas. Durch das Einfügen des Zufallsprinzips wurde der Anreiz – nach Vorbild der Skinnerbox – erhöht. Häufig vorkommende Gegenstände in den Lootboxen entsprechen so etwa den Nieten beim Rubbellos. So hat manches kostenloses Spiel mit zusätzlichen Microtransaktionen oder Lootboxen mehr Gewinn erzielt, als Spiele mit Anschaffungspreis.

In der heutigen Szene haben sich jedoch auch immer mehr Vollpreistitel mit Lootboxen etabliert. Die Reaktion der Gamer ist dabei geschieden. Ist die Beute aus der Kiste dabei nur kosmetischer Natur, dulden viele Spieler das System und sehen es als fair an. Kritischer wird es, wenn Gegenstände aus Lootboxen echte Vorteile im Spiel bringen. So wird das Lootbox-System schnell ungleichmäßig. Spieler die keine weiteren Gebühren zahlen, sind benachteiligt gegenüber zahlenden Spielern (Pay-to-Win).

Faire Systeme und erste Schritte

So sind auch viele Spieler von den digitalen Beutekisten genervt. So wird der Spieleindustrie vorgeworfen, die Kisten extra so designt zu haben, um den Kunden auszubeuten. Nach der Diskussion um die Lootboxen, ist es jetzt bei manchen Spielen möglich, die Beute in aus den Lootboxen auch so freizuschalten.

Wie der aktuelle Trend der Lootboxen in Zukunft reguliert wird, lässt sich nicht sagen. Es lässt sich jedoch vermuten, dass es neben Frankreich, Belgien und den Niederlanden, auch weitere Länder das Phänomen prüfen werden. Eine vereinte europäische Lösung ist nicht auszuschließen. In China gibt es bereits Regelungen für Lootboxen: So muss die prozentuale Wahrscheinlichkeit für die enthaltenen Gegenstände für den Nutzer kenntlich gemacht werden. Diese Maßnahme soll den mysteriösen Charakter der Lootboxen verringern und vor Glücksspielsucht schützen. Auch ein Verbot für Minderjährige ist möglich. So wird zurzeit nicht kontrolliert, inwiefern Kinder Geld für die Kisten ausgeben.

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